Pressemitteilung 21.04.2018: Gedenkort Fontanepromenade 15 ohne Obdach

Kulturverwaltung des Berliner Senats hat die Chance verpatzt, einen Gedenkort in der Fontanepromenade zu etablieren


Vier Monate, seit Mitte Dezember 2017, haben die Stiftung Topographie des Terrors und die Senatskulturverwaltung mit den Eigentümern der Fontanepromenade 15 verhandelt. Das Ergebnis ist bescheiden:
Erstens haben die Verhandlungspartner herausgefunden, daß ein Mietvertrag mit dem Verein Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V. nicht gewünscht ist. Dazu erklärt der Verein: Für diese Einsicht hätten nicht vier Monate verstreichen müssen. Denn es war die Kulturverwaltung, die Mitte Dezember 2017 den Eigentümer zum Wechsel des Verhandlungspartners verleitet hat, und zwar mit der für den Eigentümer attraktiven Aussicht, trotz seiner öffentlichen Zusagen an die Initiative und den Verein, sich auf weniger als den von der Initiative konzipierten und vom Abgeordnetenhaus befürworteten Gedenkort einlassen zu müssen.
Indem die Kulturverwaltung sich zum Verhandlungspartner machte, verlor sie und die von ihr beauftragte Stiftung Topographie des Terrors offenbar auch das vom Verein am 8. Dezember 2017 angenommene Vermietungsangebot des Eigentümers. Seit dem 1. August 2017 hatte dieser sein Angebot an die Initiative, dann den Verein Gedenkort Fontanepromenade 15 aufrechterhalten, eine Büroeinheit für 16 € Nettokaltmiete/ m² anmieten zu können. Unter Bezugnahme auf die von der Initiative vorgelegte Konzeption für den Gedenkort schlug der Eigentümer eine Vertragslaufzeit bis 2022 vor und konkretisierte sein Angebot zuletzt am 7. Dezember 2017 durch die beauftragte Hausverwaltung.
Nach den von Staatssekretär Dr. Torsten Wöhlert am 16. April 2018 im Kulturausschuß genannten Zahlen muß der leichtfertige Wechsel des Verhandlungspartners Mitte Dezember 2017 den Eigentümer zu einer 25%igen Erhöhung der Nettokaltmiete auf rund 20 €/ m² ermuntert haben.
Zweitens beteuert der Eigentümer weiterhin, an ein Bildungs- und Begegnungszentrum vermieten zu wollen, hat sich aber gegenüber der Finanzverwaltung gebunden, gewerblich zu vermieten. Es ist eine falsche Steuerpolitik, die soziale und kulturelle Projekte verdrängt: wird Gewerberaum gebaut oder teuer modernisiert, reicht der Staat auf das Versprechen, gewerblich zu vermieten, die in der Bauphase anfallende Umsatzsteuer als zinslosen Kredit kapitalisiert vorab an den Investor. Die gewerblichen Mieter zahlen zehn Jahre lang den Kredit zurück, indem sie umsatzsteuerpflichtig mieten. Sinkt die gewerbliche Nutzung eines Gebäudes unter 50%, heißt es, helfe auch eine monatliche Berichtigung des vorab gezogenen Steuerbetrags nicht. Es kann das ganze Vorsteuerabzugsgeschäft platzen.
Die Senatskulturverwaltung, die im Dezember 2017 den Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V. um jeden Preis aus den Vertragsverhandlungen verdrängen wollte, steht vor einem Scherbenhaufen und kann den vom Parlament — und von ihrem eigenen Kultursenator — politisch gewünschten Gedenkort, der die Zwangsarbeit der Berliner Juden 1938 bis 1945 vom Ort der damaligen zentralen Dienststelle des Arbeitsamts aus in der Bildungsarbeit thematisieren soll, nicht verwirklichen.
Die Initiative und der Verein Gedenkort Fontanepromenade 15 prüfen derzeit, wie sich trotz des Versagens der Kulturverwaltung der Gedenkort und dessen Forschungs-, Begegnungs- und Bildungsarbeit zur Zwangsarbeit der Berliner Juden ab 1938 realisieren läßt.

Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V.
Obdachloser Gedenkort Fontanepromenade 15!

Erinnern und Gedenken an jüdische Zwangsarbeit in Kreuzberg — keine Sache von Investoren?

14 04 2018 Fontane


Mit Erstaunen hat der Verein <Gedenkort Fontanepromenade 15> den vermeintlichen Rückzug des Eigentümers, seiner Zusage vom Januar 2017 auf die Vermietung von Büroräumen, zur Kenntnis genommen.

Obdachloser Gedenkort!
Die denkmalgeschützten Immobilie in der Fontanepromenade 15 droht so sein Asyl zum Betreiben der gedenkpolitischen Informationsstelle an dem historischen Ort zu verlieren.
Das Haus Fontanepromenade 15 war während der NS-Zeit zwischen 1938 bis 1945 die „Dienststelle für Juden beim Berliner Arbeitsamt“.
Von hier aus sandte die Berliner Arbeitsverwaltung mehr als 25.000 Berliner Jüdinnen und Juden zu schwerster Zwangsarbeit in kriegswichtige Betriebe zum „Geschlossenen Arbeitseinsatz“.

Der Bremer Investor Marc Brune erwarb im Mai 2015 die Fontanepromenade 15.
Nach Protesten aus der Bürgerschaft und der Forderung nach sofortigem Baustopp in einem offenen Brief Ende 2016 kam aus berufenem Munde Unterstützung von Frau Inge Deutschkron, einer Betroffenen der „jüdischen Zwangsarbeit“. Ihre Forderung in dem offenen Brief: …"dass dieses Gebäude eine Nutzung erfährt, die seiner historischen Bedeutung des Hauses gerecht wird“. Adressaten waren die amtierende Bezirksbürgermeisterin von FHXB Frau Herrmann und der neugewählten Senator für Kultur und Europa Klaus Lederer.

Die gegründete Initiative <Gedenkort Fontanepromenade 15> hat von Anfang an direkten Kontakt zu den Eigentümern aufgenommen. Regelmäßige Baustellenbegehungen fanden statt. Weitere Gespräche folgten. Alles auf der Basis der gemachten Zusage für eine bevorzugte Vermietung eines der beiden entstehenden Büroeinheiten zur Errichtung einer Gedenk-und Informationsstelle nach Beendigung der Sanierung an diesem historischem Ort. Scheinbar vom Eigentümer gewollt!
Lobbying im Abgeordnetenhaus mit unserem zwischenzeitlich umfassenden Konzept zur Gedenkortarbeit überzeugte die Politik. Die Bereitstellung von Haushaltsmitteln für den Gedenk- und Informationsort Fontanepromenade 15 im Doppelhaushalt 2018/2019 fand — politisch gewollt — Eingang  in der 3. Lesung am 14. 12.2017 und Zustimmung aller Parteien.
Im Dezember nach dem die Finanzierung politisch beschlossen war, teilte der Vermieter mit, dass er die Verhandlungen — nur noch — via Herrn Nachama, dem Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, unserer Kooperationspartnerin, führt.
Sie dauern seither an.

Ein taktisches Verhalten des Vermieters um uns nicht-gewerbliche Gedenk- und Bildungsarbeiter*innen los zu werden? Ein Politikum allemal. Eigene geschäftliche Interessen versus gemachten Zusagen. Die bekannte Investorenbesänftigung der Öffentlichkeit!
Was bleibt: Das berechtigte Bedürfnis der Berliner Öffentlichkeit, der letzten noch lebenden ZeitzeugInnen und der Wissenschaft nach einer Gedenk- und Informationsstelle <Gedenkort Fontanepromenade 15> am historischen Ort!
Presseinformation 27.02 2018 Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V.

Am 27. Februar 2018 jährt sich zum 75. Mal mit der Menschenjagd der "Fabrik-Aktion" die Deportation tausender deutscher Juden nach Auschwitz.
Die damalige "Zentrale Dienststelle für Juden" des Berliner Arbeitsamts unter der noch heute bestehenden Adresse Fontanepromenade 15 in Berlin-Kreuzberg spielte eine entscheidende Rolle bei der Durchführung der abschließenden Massendeportationen der "Fabrik-Aktion", als tausende der dort seit Ende 1938 zur Zwangsarbeit registrierten Berliner Juden und Jüdinnen verhaftet und deportiert wurden.
Diese gesonderte Dienststelle des Arbeitsamts war damals ein Ort der Täter und Opfer rassistischer Verfolgung durch menschenverachtende Zwangsarbeit. Etwa 26.000 Berliner Juden, Männer, Frauen, Jugendliche und auch Kinder, waren dem Zwangsarbeitsregime rechtlos ausgeliefert. Deshalb soll dieser Ort ein Gedenkort werden, an dem sich die aufklärende Bildungs- und Erinnerungsarbeit zur Zwangsarbeit einheimischer Juden orientiert.
Beiträge zum Gedenkort  Fontanepromenade 15 auf der Festveranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages der Gründung der Berliner VVN

Gestern am 18. Januar 2018 fand in Berlin-Pankow, ehemaliger Betsaal des Jüdischen Waisenhauses in der Berliner Str. 120/121 die Feierlichkeit des 70. Jahrestages zur Gründung der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes statt (VVN).
Ein Beitrag war ein Gespräch mit Eva Nickels, der Mitbegründerin der Gedenkort-Initiaitve Fontanepromenade 15 und Frau Dr. Susanen Willems, die Vorsitzende des Vereins Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V.

Gedenkort Fontanepromenade 15 in Kreuzberg — Finanzierung durchgekämpft

Die Gedenkort-Initiative konsolidierte in akribischer Arbeit den Gedenkort Fontanepromenade 15 in Kreuzberg und gründete den Verein Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V.

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Mit einjähriger Kraftanstrengung und langem Atem ging es durch die bürgerlichen Institutionen ─ über die bezirklichen Gremien, den landespolitischen Institutionen und letztlich den Fraktionen im Abgeordnetenhaus.

Die Finanzierung des Gedenkortes wurde politisch durchgesetzt und ist durch einen Haushaltstitel für 2018/19, jedoch erst in der 3. Lesung im Abgeordnetenhaus vom 14.12.2017, beschlossene Sache.

Nach endgültiger Fertigstellung des denkmalgeschützten Gebäudes Anfang Januar 2018 und Abklärung aller Regularien mit den Beteiligten, den Eigentümern und den Institutionen kann die Arbeit des Gedenkortes Fontanepromenade 15 in einem der beiden fertiggestellten Büros in der „Schikanepromenade“ ─ Bezeichnung der Betroffenen ─ aufgenommen werden.

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Das gedenk- und erinnerungspolitische Projekt wird letztendlich realisierbar

Die Eigentümer haben im Januar 2017 die Zusage getätigt ...„Sollten sich Interessengruppen, Vereine oder auch jüdische Gemeinden dafür interessieren, einen Teil des Gebäudes als Gedenkort zu nutzen und dafür zu einem ortsüblichen Mietzins zu mieten, würden wir uns dem nicht verschließen.“ ...

Die Fontanepromenade 15, nahe Südstern in Kreuzberg, war die einstige Zentrale Dienststelle für Jüdinnen und Juden des Berliner Arbeitsamtes. Das Gebäude erfuhr erstmalig im Themenjahr 2013 "Zerstörte Vielfalt" öffentliche Aufmerksamkeit durch die Informationstafel, die jetzt nach dem Abbau während der Bautätigkeiten an die Grundstücksgrenze versetzt, natürlich wieder ihren Platz fand. Ein ständiger Gedenkort war damals durch die bezirklichen Gremien nicht gewollt und nicht vorgesehen.

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Das Gebäude ─ heute fehlen die abgerissenen Seitenflügel ─ war von 1938-1943 das „Jüdische Arbeitsamt“, wo der Zwangsarbeitseinsatz, geschlossener Arbeitseinsatz der Berliner Jüdinnen und Juden an der Schnittstelle zwischen Verwertung und Vernichtung organisiert wurde.

Die Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG forderte Ende 2016 zu Beginn der Sanierungsarbeiten in ihrem offenen Brief den sofortigen Baustopp. Abendschau-Bericht, Presseveröffentlichung, Zeitzeug_innen wie die Schriftstellerin Inge Deutschkron forderten ein würdiges Gedenken, Gespräche mit dem Kultursenat und dem Bezirk folgten.

Ein umfassendes stadtteilbezogenes inhaltlich-künstlerisches Konzept wurde erstellt, ein Verein gegründet, politische Lobbyarbeit in den politischen Gremien getätigt.

Die inhaltliche Weiterarbeit des Vereines Gedenkort Fontanepromenade 15 ist durch Projektanträge für Veranstaltungsreihen und Forschungsvorhaben längst auf den Weg gebracht. Nach dem Klären aller Regularien mit dem Beteiligten, wie den Eigentümern und Institutionen kann jetzt die Arbeit nach verzögerter Fertigstellung in den Räumen der „Schikanepromenade“ aufgenommen werden.

Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist ...

Im Vorfeld zum diesjährigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar gibt es die Veranstaltung „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist...“ — vertonte Lyrik von Paul Celan — mit dem Liedermacher Zhenja Oks am 24.01 um 19:30 Uhr.

Jedoch sind die Räume am Gedenkort Fontanepromenade dafür noch nicht nutzbar.

Die Veranstaltung findet deshalb in der Bibliothek Wilhelm Liebknecht und Namik Kemal Bibliothek, Adalbertstraße 2, Kreuzberg (U1/U8 Kottbusser Tor) statt, wo wir im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Europäischen Tag jüdischer Kultur 2017 mit Vera Friedländer offen aufgenommen wurden.

Quelle Fotos: kappa photos

Links:

schon mal zum Vormerken
unsere Webseite zum Gedenkort Fontanepromenade 15 wird bereits aufgebaut und ist bald unter dem Link erreichbar: http://www.schikanepromenade.de
https://www.facebook.com/GedenkortFontanepromenade/


Veranstaltung am 24.01.2018: Flyer zum Download
31.08. - 07.09. Veranstaltungsreihe Gedenkort Fontanepromenade 15

Do 31.08. um 19:30 Uhr Lied-Programm "Klage nicht... ...wenn dir ein Becher in Scherben bricht; Hast ja noch alle die anderen."

Vertont und gesungen von Zhenja Oks (Odessa, Potsdam, Berlin) mit Texten der vergessenen Dichterin Gertrud Kolmar — 1894 in Berlin geboren, im Juli 1941 zur Zwangsarbeit verpflichtet,1943 in Auschwitz ermordet.
Sowie Else Lasker-Schüler — 1939 Exil in Palestina und Mascha Kaléko, 1938 emigriert in die USA.
Beide Frauen lebten und arbeiteten länger in Berlin.

Im Rahmen der Ausstellung: Letters of Stone

Ort: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstraße 95A, Kreuzberg (U-Bahn Kottbusser Tor)

In Koopertion mit dem Museum FHXB

Flyer zur Veranstaltung


Di 05.09. um 19:30 Uhr Gespräch und Lesung mit der Zeitzeugin Vera Friedländer

Vera Friedländer — Ich war Zwangsarbeiterin bei Salamander ...

Vera Friedländer musste als 16jährige im Reparaturbetrieb von Salamander in der Köpenicker Str. 6a-7 in Berlin-Kreuzberg Zwangsarbeit leisten. Sie musste nichtmarkierte Schuhe sortieren und fragte sich: Woher kommen diese Schuhe? Nach einer Zeit der Verdrängung hat sie die Erinnerungen wieder aufgerufen und konnte diese Frage und andere, die sich daraus ergaben, beantworten. Viele Jahre sammelte sie dokumentarisches Material, das sie in dem Buch „Ich war Zwangsarbeiterin bei Salamander“ präsentiert.

Im Gespräch mit Vera Friedländer Anne Allex von der Initiative Gedenkort Fontanepromenade 15

Ort: Wilhelm Liebknecht/ Namik-Kemal Bibliothek, Adalbertstr.2, Kreuzberg (U-Bahn Kottbusser Tor)

In Koopertion mit der Bibliothek Wilhelm Liebknecht/ Namik-Kemal Bibliothek


Do 07.09. um 18 Uhr Spaziergang Widerstand im Prenzlauer Berg — "sag nie: wie die Schafe zur Schlachtbank geführt!"
Führung mit Eva Nickel, Tochter einer jüdischen Zwangsarbeiterin

Der Widerstand gegen die Nazis war im Stadtbezirk Prenzlauer Berg verhältnismäßig stark. Das lag unter anderem auch an der gemischten Bevölkerungsstruktur.

Im Prenzlauer Berg sind die gemeinsamen Widerstandsarbeiten von dort wohnenden Deutschen bekannt, die mit den von Jüdinnen und Juden im Untergrund geführten Gruppen zusammenarbeiteten. In diesen "gemischten" Widerstandsgruppen waren sie ein wenig geschützter und ihre Arbeit konnte effektiver sein, da Jüdinnen und Juden dort nicht unbedingt sofort vermutet wurden.

Treffpunkt: 18 Uhr; Schwedter Str./ Ecke Schönhauser Allee (Ärztehaus), U-Bhf. Senefelderplatz U2 (Ausgang Richtung Pankow)
Dauer ca. 2 Std., der Spaziergang ist barrierefrei und kinderwagengerecht. Bei Regen bitte geeignete Utensilien mitbringen
Kosten: keine; Spende willkommen.

In Kooperation mit der BO Prenzlauer Berg der VVN-BdA

Die Veranstaltungsreihe führen die Initiative Gedenkort Fontanepromenade 15 und Berliner NaturFreunde durch
Kultursenator Lederer fordert den Gedenkort Fontanepromenmade 15?

Und Lederer sprach gleich neue Aufgaben an: Aufarbeitung der Geschichte der Berliner Fontanepromenade, wo das jüdische Arbeitsamt war, und des Flughafens Tempelhof. "Es ist nach wie vor viel zu tun, wir machen weiter und werden die Arbeit absichern". (Jüdische Allgemeine 13.07.2017)

Lederers Rede am 05.07.2017 auf der Veranstaltung anlässlich 30 Jahre "Topograpfie des Terrors" nahm er es zusmindet auf die Agenda
Was wäre wenn jetzt seien Worten Taten folgen würden?
Gibt er das Geld ab 1. Oktober 2017 für das Gedenkprojekt "Fontanepromenade 15" in unseren konzeptionellen Vorstellungen?

Die gesamte Rede kann unter diesem Link nachgelesen werden: ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!
08.06.2017 Pressemitteilung: Integriertes Gedenkort-Konzept Fontanepromenade 15 und Aufruf an Senat vorgestellt

Die Initiative „Gedenkort Fontanepromende 15“ stellte am Dienstag, 6. Juni 2017, im Nachbarschaftshaus Urbanstrasse unweit des authentischen Ortes, der ehemaligen „Zentralen Dienststelle für Juden beim Berliner Arbeitsamt“ in der Fontanepromenade 15 ihr Gedenkort-Konzept der Öffentlichkeit vor.


Das von Historikern und geschichts- und erinnerungspolitischen Initiativen erstellte integrierende Konzept umfasst einen Begegnungs- und Kommunikationsort für Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen, ein Erzählcafé sowie Raum für thematische Forschung. Zeitzeugen-Videos, historische Dokumentation dieses Ortes der massiven Verfolgung von Jüdinnen und Juden durch Vermittlung in Zwangsarbeit und Exkursionen zu Orten der Zwangsarbeit runden das Bildungskonzept ab.

Über 60 interessierte Bürger, Abgeordnete der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg und Vertreter des Bezirksamts, AnwohnerInnen, Angehörige ehemaliger jüdischer ZwangsarbeiterInnen und Vertreter der Synagogengemeinde Frankelufer beteiligten sich an der anschließenden Erörterung.

Alle Beteiligten würdigten ausdrücklich das gute Konzept. Angehörige von damals in Berlin verfolgten Juden bekundeten ihr Interesse an der Arbeit an dem  authentischen Ort, der von den Betroffenen „Schikanepromenade“ genannt wurde, boten Hilfe und ihre Kontakten an.

Eine längere Diskussion entfachten Fragen der Finanzierung: Im Ergebnis der beiden beim Kultursenat geführten Gespräche erhielt die Gedenkortinitiative noch  keine Zusage zur Finanzierung, auch nicht für die Mietkosten in der denkmalgeschützten Immobilie ab Oktober 2017. Und das, obwohl der Eigentümer bereits im Januar 2017 der Initiative eines der beiden im Erdgeschoß entstehenden Büros nach Abschluss der Restaurierungs- und Modernisierungsarbeiten für die Nutzung zur Miete zugesichert hatte. Die Initiative wird den Senat nicht aus seiner gedenkpolitischen Verantwortung entlassen und Wege suchen, um den drohenden Verlust dieses gedenkpolitisch einmaligen Ortes abzuwenden.

Der Vertreter der Partei die Grünen/Bündnis 90 in der BVV Berlin-Kreuzberg, Julian Schwarze, sprach sich für einen Gedenkort in der Fontanepromenade 15 aus und versprach, innerhalb seiner Bezirksfraktion und in der BVV für die Realisierung des Projekts noch in diesem Jahr zu werben. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Frank Vollmert, bot an, sich bei den Koalitionsfraktionen im Abgeordnetenhaus für die Finanzierung des Vorhabens einzusetzen.

Zahlreiche Teilnehmer unterzeichneten den Aufruf, der den Berliner Senat auffordert, sich seiner historischen Verantwortung nicht zu entziehen und bis zur Vorlage des neuen Doppelhaushalts 2018/2019 die Finanzierungslücke im letzten Quartal 2017 zu schließen und auf der Grundlage der konzeptionellen Vorschläge der Initiative im folgenden Haushalt ausreichend Mittel für den Betrieb des Gedenkorts einzustellen.

Für Rückfragen: L. Eberhardt: 0151-109 42 848
c/o Nachbarschafthaus Urbanstrasse 21,10961 Berlin-Kreuzberg

PM als PDF zum Download
26.05.2017 Presseinformation: Kultursenat unterstützt Gedenkort-Konzept Fontanepromenade 15 für das ehem. jüdische Arbeitsamt (1938-1943) in Berlin-Kreuzberg

Das Fachreferat des Senators für Kultur und Europa begrüßt das inhaltliche Konzept der Initiative Gedenkort Fontanepromenade 15 und sieht es als einen potentiellen Baustein, der im Koalitionsvertrag vereinbarten Schaffung einer “Stiftung für Zwangsarbeit“.

Das ergab ein Expertengespräch am 22.05.2017 in der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Berlin-Mitte, wo die Initiative ihr integriertes stadträumliches, pädagogischwissenschaftliches und künstlerisches Konzept für einen Informations-, Forschungs- und Begegnungsort dem Senat vorstellte.

Die Konzeption umfasst einen Begegnungs- und Kommunikationsort für Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen, ein Erzählcafé sowie Raum für thematische Forschung. Zeitzeugen-Videos, historische Dokumentation dieses Ortes der massiven Verfolgung von Jüdinnen und Juden durch Vermittlung in Zwangsarbeit, Exkursionen zu Orten der Zwangsarbeit runden das Bildungskonzept ab.

Prof. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, hob in seiner Kurzexpertise das „Alleinstellungmerkmal“ des Gedenkortes Fontanepromenade 15 „am Schnittpunkt der beiden Verfolgungskomplexe gegen die Jüdinnen und Juden und gegen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter“ hervor.

Prof. Dr. Wolf Gruner, der das Grundlagenwerk "Der geschlossene Arbeitseinsatz deutscher Juden…." verfasste, verwies in seiner Einlassung zum Konzept darauf, dass „unzählige Deutsche in Stadtverwaltungen, Arbeitsämtern sowie Privatfirmen aktiv an der Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung bis 1945 mitwirkten und davon profitierten“ und bot Videos der Shoa Foundation als authentischen Beitrag zur „Schikanepromenade“, der "künftigen Erinnerungsstätte im Herzen Berlins“ an.

Die Senatsverwaltung erklärt, dass eine Finanzierung des Gedenkorts Fontanepromenade 15 im Doppelhaushalt 2018/19 bisher nicht eingestellt sei.

Seit Anfang des Jahres hat der Eigentümer der Initiative einen größeren Teil der Fläche des denkmalgeschützten Gebäudes in der Kreuzberger Fontanepromenade 15, dem authentischen Ort der "Zentralen Dienststelle für Juden" für eine favorisierte Nutzung als Gedenkort zugesichert.

Wir appellieren weiterhin an den Kultursenator, "sich dafür einzusetzen, dass dieses Gebäude" umgehend "eine Nutzung erfährt, die seiner historischen Bedeutung gerecht wird"*.

Wir fordern den Senat auf, eine konstruktive Lösung zur Zwischenfinanzierung und Absicherung des Gedenkortes Fontanepromenade 15 nach baulicher Fertigstellung durch den jetzigen Eigentümer — etwa über einen Nachtragshaushalt oder eine andere haushaltstechnische Lösung – anzubieten.

Die Initiative lädt für Dienstag, den 6. Juni 2017 um 19 Uhr zur Vorstellung und Diskussion des Gedenkortskonzeptes in das Nachbarschaftshaus Urbanstrasse in 10961 Berlin-Kreuzberg, Urbanstrasse 21 ein. (ÖPNV: Bus M 41, U 7, Südstern)
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* aus dem Offenen Brief an Kultursenator Lederer und Bezirksbürgermeisterin Friedrichshain-Kreuzberg Herrmann vom 29.12.2016
Offizielles Schweigen zum Gedenkort Fontanepromenade 15

Am 26.08.2016 hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg der "Fontanepromenade 15 GbR“ eine Baugenehmigung für den Umbau der Fontanepromenade 15 in Wohn- und Büroräume erteilt.

In der Fontanepromenade 15 befand sich von Dezember 1938 bis 1943/ 1945 die "Zentrale Dienststelle für Juden" des Berliner Arbeitsamtes. Von hier aus wurden Juden zur Zwangsarbeit deportiert.

In einem Offenen Brief hat die Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am 14.11.2016 aufgefordert, die Baugenehmigung zurückzunehmen und die Baumaßnahmen zu stoppen (Siehe: http://www.wem-gehoert-kreuzberg.de/index.php/gedenkort-fontanepromenade-15/1015-offener-brief-zum-baubeginn-in-der-fontanepromenade-15). Auf diesen Brief haben wir bis heute keine Antwort erhalten.

Der Bezirk wie auch das Land Berlin haben es jahrelang versäumt, das Haus Fontanepromenade 15 wieder in die öffentliche Hand zu überführen oder einem gemeinnützigen Träger zu überlassen und dafür zu sorgen, dass ein würdiger Umgang mit der Geschichte dieses Ortes, den die Betroffenen in der NS-Zeit „Schikanepromenade“ genannt haben, gepflegt werden kann.

Wir begrüßen es, dass die Initiative „Gedenkort Fontanepromenade 15“ entstanden ist, die sich die Durchsetzung eines würdigen erinnerungs- und gedenkpolitischen Umgangs mit diesem Ort zum Ziel gesetzt hat. Der neue Eigentümer der Fontanepromenade 15 hat im Gespräch mit der Initiative das Angebot gemacht, nach dem Umbau des Hauses einen „Gedenk-Raum“ zu einer „ortsüblichen“ Miete zur Verfügung zu stellen.

WEM GEHÖRT KREUZBERG fordert den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und das Land Berlin auf, dieses Angebot anzunehmen und einen Vertrag mit dem Eigentümer abzuschließen sowie Trägerschaft und Miete für den „Gedenk-Raum“ zu übernehmen.

Orte wie die „Schikanepromenade“ dürfen privaten Interessen nicht zum Opfer fallen und so dem Gedenken und Erinnern entzogen werden!
Die öffentliche Hand ist in der Verantwortung, diese Orte zu erhalten!
Wir verlangen vom rot-rot-grünen Senat und vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, dass sie sich der „Politik des Vergessens“, nach der bereits zahlreiche historische Gebäude in Berlin durch Privatisierung der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit entzogen worden sind, deutlich entgegenstellen!


Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG — März 2017